Minimalistischer Reisen - Herausforderung angenommen!


"Eines Tages fällt dir auf,
dass du 99% nicht brauchst.
Du nimmst all den Ballast
und schmeisst ihn weg,
Denn es reist sich besser,
mit leichtem Gepäck"
-Silbermond,"Leichtes Gepäck"

Dieses Lied ist wohl für die meisten deutschen Minimalisten DER Titelsong zu ihrem Lebensgefühl. In den minimalistischen Facebookgruppen wird er in regelmäßigen Abständigne immer und immer wieder gepostet (mit gutem Grund!)

Für meinen Urlaub in Gelderland gab es aber einen Schlüsselsatz aus diesem Lied, der mir immer wieder durch den Kopf ging: "...denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck". Ist das so? Viele Minimlisten sagen ganz klar: JA! Man brauch auf Reisen viel weniger, als man eigentlich denkt - und beweisen dies sehr eindrucksvoll in ihren Videos.

Da wir für unsere Leser natürlich fast alles ausprobieren wollen, habe ich mich in das "Abenteuer" minimalistisches Gepäck gestürzt. Die Eckdaten meiner Reise waren dabei: 13 Tage unterwegs, die Kleidung musste passend sein für: einen Ballettbesuch, einen Geburtstag mit schickem Abendessen und ein 10tägiger Urlaub mit Temperatur von 15 bis 25 Grad und sowohl Radtouren als auch Städtetripps.

An Kleidungsstücken ging Folgendes mit:

4 T-Shirts
4 Tops
3 Pullis
2 Cardigans
1 weiße Bluse
3 lange Hosen
1 dreiviertel Hose
2 kurze Kleider
1 langes Kleid
1 Bikini
3 Paar Schuhe
1 Gürtel
1 Schal
1 Lederjacke
Unterwäsche und Socken

Dazu kam dann noch mein Kosmetiktäschchen, ein Kulturbeutel, ein Föhn, ein Badetuch, Sonnenbrille, Ersatzbrille (für Brillenträger ein Muss auf Reisen), Kamera, ein gutes Buch, Tablet und Handy (die sich ein Ladegerät teilen), der normale Inhalt meiner Handtasche (Geldbeutel etc.), ein Schirm und eine Trinkflasche zum Auffüllen.

Insgesamt habe ich alle diese Dinge auf meinen kleinen Trolley, meinen Rucksack und meine Handtasche verteilt. Und siehe da, in meinem Rucksack war sogar noch Platz!

Natürlich ist diese Packliste für wahrhafte Minimalisten wohl lächerlich, aber ich bin noch am üben und muss sagen, ich war doch sehr stolz auf mich, als der Koffer zu war und ich für meinen Geschmack sehr wenig eingepackt hatte!


Beim Packen selbst habe ich mich nach diesen persönlichen Regeln gerichtet:

1. Was nicht in die geplanten Gepächstücke passt, kommt nicht mit. Komme was da wolle! 

2. Lieblingskleidung hat Vorrang. Denn was ich schon in der Heimat ungerne oder selten trage, wird auch auf der Reise wohl eher im Koffer bleiben.

3. Erst Wetter checken, dann packen. Wir alle wünschen uns ja immer einen sonnigen Urlaub. Doch auch im schönen Italien kann es mal regnen und wenn wir dann nur Sommerkleidchen eingepackt haben, muss unnötige Kleidung gekauft werden.

4. Setze auf Basics. Ich habe besonders darauf geachtet Basicteile einzupacken, die sich mit fast allem aus meinem Koffer kombinieren lassen. So hatte ich eine große Auswahl an Kleidungskombinationen. 

5. Konmari Methode zum Platzsparen. Um in meinem Koffer Platz zu sparen und Ordnung zu halten, habe ich meine Kleidung nach der Konmari Methode gefaltet. Dadruch werden die Sachen sehr klein und im Gegensatz zur Rollmethode ist die Kleidung so gut wie knitterfrei aus dem Koffer gekommen.

6. Pröbchen vor Fullsizegrößen. Das was wohl die persönlichste meiner Regeln und sollte nicht unbedingt nachgemacht werden!!! Ich hatte durch Gewinnspiele und Sammeln einige Naturkosmetikpröbchen, die ich im Urlaub gerne testen und aufbrauchen wollte. Dadurch hatte ich eine große Platzersparnis. Aber bitte nicht für den Urlaub extra Pröbchen kaufen! Sie machen unglaublich viel unnötigen Müll! Lieber kleine Behälter für Cremes kaufen, das Lieblingsprodukt darin umfüllen und sie für jeden Urlaub wiederverwenden.



Der Beginn meiner Reise war eine Zugfahrt nach Mannheim, um mit meiner Familie eine Ballettaufführung zu sehen. Und bereits bei dieser "Anreise zur Reise" stellte ich fest, dass es sich wirklich mit leichtem Gepäck besser reist. Ich würde mich nicht gerade als groß und kräftig beschreiben und habe so im Zug keine Möglichkeit meinen Koffer im Gepäckfach über den Sitzen zu verstauen. Doch mit meinem kleinen Gepäck war es ganz einfach: Koffer unter den Sitz, Rucksack vor die Beine und Tasche auf den Schoß. Einfach, leicht zu organisieren und es störte keinen - ganz im Gegensatz zu den Koffern meiner Mitreisenden.

Auf der Reise selbst wurde mir schnell eines klar: ich hatte eigentlich eher Schwierigkeiten alles Mitgebrachte wenigsten einmal zu tragen! Trotz der für mich reduzierten Gardarobe hatte ich das Gefühl, dass ich unglaublich viel Auswahl habe.

Am Ende hatte ich alles mindestens einmal getragen, keine Schwierigkeiten mit kalten und regnerischen oder warmen und sonnigen Tagen gehabt und den Urlaub rundum genossen. 

Natürlich muss man bei einem minimalistisch gepackten Koffer bereit sein Kleidung mehr als einmal zu tragen. Das ist meines Erachtens bei Baumwolloberteilen leichter als bei Kleidung aus synthetischen Stoffen, da diese schneller reicht. Ich habe aber, um meine Kleidung öffter zu tragen, einfach einen kleinen Trick von meiner Rucksackreise nach dem Abitur angewandt: nach dem Tragen das Kleidungsstück an den schmutzigen oder riechenden Stellen nass machen und mit Rei in der Tube/Kernseife o.ä. auswaschen. Dann über Nacht aufhängen und am nächsten Tag ist das Kleidungsstück wieder tragbar. 

Natürlich hatte ich aber noch einen ganz großen Vorteil, der mir vorher bekannt war: unser Ferienhaus hatte eine Waschmaschine! Hura! Und damit wird das minimalistische Reisen zur leichtesten Aufgabe der Welt! Denn eine Waschmaschine bedienen bekommt man noch immer irgendwie hin und somit hätte meine Kleidung wohl noch für eine viel längere Reise gereicht.

Aber dennoch fand ich es sehr interessant bewusst auf eine kleine Garderobe zu achten und mich mit dem Thema auseinander zu setzen. Und ich denke für die nächsten Reisen lautet das Motto: weniger ist mehr!

Grüne Grüße,
Anna

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